Wieso hat androgyn zu sein, etwas mit GOTT zu tun?
Da kann ich nur auf eine Geschichte aus meinem Leben zurückgreifen.
Bevor ich mit Sebastian zusammenkam, war ich mit einem anderen jungen Mann zusammen. Gregor. Er war ein „ganz typischer Mann“. Herrisch, dominant (zumindest hat er es versucht), und das Weibliche war in seinen Augen grundsätzlich dumm, unfähig und hilflos. Gregor hat da bei mir keine Ausnahme gemacht. Im Gegenteil, er hat versucht, auf Biegen und Brechen alles zu unterdrücken, was in mir „normal“ und nicht weiblich war. Besser gesagt, was nicht in seine Vorstellung vom Weiblichen passte. Eine Frau soll keine großen Schritte machen. Das fand er männlich. Sie soll lieb und zart sein, ein Dummerchen! Natürlich kann sie keinen eigenen guten Job erledigen und dabei nicht selbstständig und planvoll vorgehen. Besonders aufsteigen und an Macht gelangen darf sie in seinen Augen nicht dabei. Alles, was ihre Fähigkeiten untestützen, Macht zu haben, selbstständig zu sein, und Unfähigkeit im Manne wie bei ihm zum Kuckuck zu wünschen, wurde unterdrückt. Als etwas Abnormales, Böses und Unbeliebtes!
Was hat er da nur gemacht? Eine Szenerie wie aus einem mittelalterlichen Film über Frauenverfolgung und Hexenverbrennung! Da hätte er ausgesprochen gut hineingepasst. Er war vielleicht nicht brutal, und machmal war er das auch, aber vor allem das Gedankegut stammte doch aus einer mittelalterlichen Vorstellung!
„Brutal“ war er nur, wenn er mich zum x-ten Mal zum Boden drückte -aus Spaß! Wie oft habe ich ihm gesagt, er soll das lassen, weil ich das nicht mag! Und er hat es immer wieder gemacht. Was für ein Zwiespalt! Einerseits hat er es verdient, dass ich zuschlage, damit er mich endlich loslässt und ein für alle Mal damit auhört! Andererseits darf doch eine Frau nicht zuschlagen, und vor allem nicht beim eigenen Mann/Freund. Daher spuckte ich ihn ins Gesicht, als er eines Tages mal wieder nicht loslassen wollte.
Und dann hat er es nie wieder gemacht…
Drei Jahre ging das so! Und danach bin ich geflüchtet…
Einen Mann, der mit Frauen so umgeht, kann ich nicht gebrauchen. Da ist mir mein Sebastian, mit dem ich seit sechs Jahren zusammen bin, viel lieber!
Warum das alles etwas mit GOTT zu tun hat? Wäre er, mein VATER, nicht gewesen, hätte ich in der Beziehung mit Gregor keine Probleme gesehen! Natürlich, persönliche Probleme waren da schon! Nur hätte ich sie nicht verändert. Denn viele Frauen leben nach genau dem gleichen Muster! Sie denken, heiraten und Kinder kriegen ist alles im Leben. Ein Job ist erstrebenswert, aber was vor allem zält, ist es, einen Mann zu haben. Sie drängen sich in die weibliche Rolle. Und würden immer zuerst das wichtig nehmen, was der eigene Mann von ihnen will. Nicht, was sie wollen. Und ich habe auch gedacht, in meinem Leben geht es vor allem darum, mit einem Mann eine Familie zu gründen und Kinder in die Welt zu setzten!
Den passenden Mann hatte ich schon dazu. Er wollte eine Familie gründen, Kinder bekommen, sich um seine Familie auch finanziell sorgen! Genau das, was Frauen beigebracht wird, das sie anstreben sollen! Im Grunde genommen war Greogor doch ein erstrebenswerter Mann für eine Frau!
GOTT sah das nicht so. Zumindest wollte er, dass es bei mir etwas anders läuft! Nur Kinder kriegen und heiraten war in seine Augen nicht genug für mich. Ich sollte kein Leben führen, in dem ich einem Mann diene! Dafür wurde ich nicht geboren. Mein Leben war und ist vor allem für mich da…nicht für den Dienst einer Frau.
Und seitdem lebe ich androgyn, habe einen androgynen Freund, und entdecke die Welt des Glücks, von der Norm abzuweichen! Und genau das nicht zu tun, was Frauen und Männer von mir wollen und erwarten. Was gesellschaftliche Normen von mir verlangen, das ich zu tun habe. Ich mache nur noch, was ich will. Und Gregor würde ich am liebsten jetzt noch zusammenschlagen!


